Schonender Umgang mit Fischen und Catch & Release
Ein zurückgesetzter Fisch zählt nur, wenn er auch überlebt. So drillst, landest, fotografierst und setzt du Fische zurück, damit sie möglichst wenig Schaden nehmen.
24. August 2026, 5 Min. Lesezeit

Catch & Release ist heute ein selbstverständlicher Teil der Angelkultur, doch das Zurücksetzen allein garantiert noch nicht, dass es dem Fisch gut geht. Entscheidend ist, was in den Minuten zwischen Biss und Davonschwimmen passiert. Mit ein paar einfachen Gewohnheiten kannst du viel dafür tun, dass der Fisch unverletzt und mit guten Chancen ins Wasser zurückkehrt.
Warum der Umgang so wichtig ist
Der Körper eines Fisches ist von einer Schleimschicht überzogen, die ihn vor Krankheitserregern und Pilzinfektionen schützt. Reiben wir sie mit trockenen Händen, einem Handtuch oder einer heißen, trockenen Fläche ab, kann der Fisch später leicht erkranken. Außerhalb des Wassers trägt der Auftrieb die inneren Organe nicht mehr, und ein Sturz oder starker Druck kann schwere innere Verletzungen verursachen.
Nach dem Drill ist der Fisch erschöpft und leidet unter Sauerstoffmangel, und jede Sekunde an der Luft verschlimmert das. Deshalb geht es auch einem Fisch, der davonschwimmt, nicht unbedingt gut: Die Folgen schlechter Behandlung können sich erst Tage später zeigen.
Vorbereitung: bevor du auswirfst
Guter Umgang mit dem Fisch entscheidet sich schon vor dem Auswerfen. Halte bereit:
- einen großen Kescher mit knotenlosem Netz;
- eine Abhakmatte oder Abhakwiege, vorher angefeuchtet;
- eine Arterienklemme oder einen Hakenlöser, für Raubfische eine längere Zange;
- einen Eimer Wasser, um Fisch und Matte zu befeuchten;
- eine Wiegeschlinge, wenn du wiegen möchtest;
- Handy oder Kamera, eingeschaltet.
Haken ohne oder mit angedrücktem Widerhaken lohnen sich, sofern die Gewässerordnung sie erlaubt, denn das Abhaken wird viel schneller und schonender. Die Ausrüstung sollte zum Fisch passen: Zu leichtes Gerät verlängert den Drill und erschöpft den Fisch.
Drill und Landung
Drille entschlossen, aber nicht brutal. Der Fisch soll nicht völlig ausgepumpt sein, aber auch nicht voller Kraft am Kescherrand schlagen. Beim Keschern führst du den Fisch mit dem Kopf voran ins Netz, statt ihm mit dem Kescher hinterherzujagen. Vor dem Herausheben kannst du ihn ruhig ein, zwei Minuten im Kescher im Wasser lassen, während du Matte und Werkzeug vorbereitest.
Am Ufer: die wichtigsten Handgriffe
- Mach deine Hände nass, bevor du den Fisch berührst.
- Behandle den Fisch immer tief über der Matte, kniend – rutscht er weg, fällt er nicht auf ein steiniges Ufer.
- Greif niemals in die Kiemen und drück nicht auf den Bauch.
- Stütze einen Karpfen waagerecht ab: eine Hand hinter den Brustflossen, die andere vor der Schwanzflosse.
- Hechte und Zander nicht senkrecht am Kiefer hängen lassen; stütze immer den Körper.
- Löse den Haken zügig, entgegen der Richtung, in der er eingedrungen ist. Sitzt er tief und kommt nicht leicht heraus, schneide die Schnur lieber möglichst nah am Haken ab, als ihn herauszureißen.
Große Welse greift man üblicherweise mit Handschuh am Unterkiefer, doch auch dann gehört der Körper beim Anheben unterstützt – oder du lässt den Fisch im Wasser, während du den Haken löst. Bei einem größeren Fisch frag ruhig den Nachbarangler um Hilfe: Zu zweit geht es schneller und sicherer.
Viele Karpfenangler versorgen die Hakenwunde mit einem Desinfektionsmittel, das ist sinnvoll. Vermeiden solltest du dagegen, den Fisch mit Sonnencreme oder Mückenschutz an den Händen anzufassen.
Fotografieren und Wiegen
Das Foto muss schnell gehen: Die Kamera sollte schon bereitstehen, während der Fisch noch im Wasser ist. Knie dich hinter die Matte, heb den Fisch tief an, mach ein paar Bilder und setz ihn zwischendurch ins Wasser oder befeuchte ihn, wenn es länger dauert. Zum Wiegen nimmst du eine nasse Wiegeschlinge und tarierst die Waage vorher.
Das Zurücksetzen
Wirf den Fisch nicht zurück, sondern setz ihn zurück: Halte ihn aufrecht im Wasser, in der Strömung mit dem Kopf gegen die Strömung, und warte, bis er mit einem kräftigen Schwanzschlag von selbst davonschwimmt. Bei Sommerhitze, wenn warmes Wasser weniger Sauerstoff enthält, brauchen Fische länger zur Erholung – dann sollte der Umgang noch kürzer ausfallen.
Zander und Barsch haben eine geschlossene Schwimmblase. Werden sie schnell aus großer Tiefe hochgedrillt, können sie durch den Druckunterschied Verletzungen erleiden. Wer zum Zurücksetzen angelt, sollte diese Arten in sehr tiefem Wasser besser nicht gezielt befischen.
Regeln und Ethik
Geschützte, untermaßige und in der Schonzeit gefangene Fische müssen sofort und schonend zurückgesetzt werden. Einen Fisch mitzunehmen ist dagegen eine völlig legitime Entscheidung, wenn die Regeln es erlauben – dann töte ihn schnell und fachgerecht und trage ihn wie vorgeschrieben ein. Setzkescher und artspezifische Vorgaben sind von Gewässer zu Gewässer unterschiedlich geregelt, also prüf immer die Gewässerordnung und die Bestimmungen des Vereins bzw. der zuständigen Behörde. Am Ufer zurückgelassene Schnur und Haken gefährden auch Fische und Vögel – nimm deinen gesamten Müll mit.
Fazit
Schonender Umgang mit Fischen beruht auf vorbereitetem Werkzeug, nassen Händen, tiefem Halten und Schnelligkeit. Wenn das zur Routine wird, haben die zurückgesetzten Fische wirklich gute Überlebenschancen, und dein Gewässer bleibt langfristig gesünder. Vor der Buchung lohnt ein Blick auf die Gewässerseite, welche Ausrüstung zur Fischschonung die Gewässerordnung vorschreibt.
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