Sajó und Hernád: Angeln an Ungarns Flüssen im Norden
Kiesbett, schnelles Wasser, Barben und Döbel – Sajó und Hernád sind die wilden Flüsse des Komitats Borsod. So befischst du sie verantwortungsvoll und erkennst geschützte Arten.
1. Juni 2026, 5 Min. Lesezeit

Wer glaubt, Ungarn habe nur langsame Tieflandflüsse, stand noch nie im Morgengrauen knöcheltief auf einer Kiesbank der Hernád, während die Döbel unter dem umgestürzten Baum rauben. Sajó und Hernád sind strömungsstarke Flüsse mit Kiesbett im Nordosten des Landes und bieten eine ganz andere Angelei als die Gewässer der Tiefebene. Hier steht, was dich erwartet und worauf du achten solltest, damit diese empfindlichen Flüsse noch lange so bleiben.
Zwei Flüsse aus dem Norden
Beide Flüsse entspringen in der Slowakei. Der Sajó (slowakisch Slaná) beginnt im Slowakischen Erzgebirge, ist rund 230 Kilometer lang, und gut die Hälfte davon liegt in Ungarn. Er fließt über Putnok, Kazincbarcika und die Gegend um Miskolc nach Südosten und mündet bei Tiszaújváros in die Theiß (Tisza). Die Hernád (slowakisch Hornád) entspringt an der Ostseite der Niederen Tatra, fließt durch Košice und windet sich auf ihrem ungarischen Abschnitt – etwas mehr als hundert Kilometer – durch das Hernád-Tal, bis sie südöstlich von Miskolc in den Sajó mündet.
Beide Flüsse haben einen ähnlichen Charakter: Kies-Sand-Bett, ein Wechsel aus schnellen und ruhigeren Strecken, ständig wandernde Bänke, unterspülte Ufer und umgestürzte Bäume. Die Hernád ist besonders naturnah, mit vielen fast unberührten Mäandern. Am Sajó war die Schwerindustrie einst eine große Belastung; mit ihrem Rückgang hat sich die Wasserqualität stark verbessert, doch der Fluss reagiert bis heute empfindlich auf Verschmutzungen.
Mit welchen Fischen kannst du rechnen?
Laut Bestandserhebungen an der unteren Hernád sind Laube, Schneider und Döbel am häufigsten, aber auch Barbe und Nase sind verbreitet. Tieflandarten wie der Brassen kommen hier kaum vor. Aus Anglersicht:
- Döbel: der typischste Fisch beider Flüsse, unter fast jedem umgestürzten Baum und unterspülten Ufer.
- Barbe: auf strömungsreichen Kiesstrecken, unterhalb der Kiesbänke.
- Nase und Aland: auf schnelleren Abschnitten, vor allem im Frühjahr und Herbst.
- Rapfen, Hecht, Zander, Wels: eher auf den unteren, tieferen, langsameren Abschnitten Richtung Sajó-Mündung.
- Barsch: in ruhigeren Kurven, an Hindernissen.
Achtung: geschützte Arten am Haken
An diesen beiden Flüssen ist es besonders wichtig, geschützte Arten zu erkennen. In der Hernád ist die Karpatenbarbe weit verbreitet und geschützt – von der gewöhnlichen Barbe unterscheidet sie sich durch die geringere Größe und die dunkle Sprenkelung auf Körper und Flossen. Außerdem kommen Kesslers Gründling und der Streber vor, im Sajó auch der Zingel. Alle sind geschützt.
- Wenn du dir bei der Art nicht sicher bist, setze den Fisch zurück.
- Nimm ihn nicht unnötig aus dem Wasser – hake ihn möglichst im Wasser ab.
- Verwende Haken ohne oder mit angedrücktem Widerhaken, sofern die örtlichen Regeln das nicht verbieten – schonendes Zurücksetzen fällt so viel leichter.
- Überlege vor dem Foto, ob es den Stress für den Fisch wert ist.
Methoden für schnelles Wasser
Döbelangeln: der Klassiker an beiden Flüssen. Mit der Pose in der Strömung treiben lassen, mit kleinem Wobbler, Blinker oder Fliege an umgestürzten Bäumen. Der Döbel ist scheu: Nähere dich langsam und leise und bleib vom Wasser aus möglichst in Deckung.
Barbenangeln: mit dem Feeder – je nach Strömung mit schwererem Korb – und Wurm, Made oder Käse. Die Barbe zieht zwischen die Steine, deshalb braucht es einen starken Haken und ein zuverlässiges Vorfach. Setze den Fisch nach dem Drill mit dem Kopf gegen die Strömung zurück.
Spinnfischen auf tieferen Abschnitten: auf Rapfen in schnellen Einläufen, auf Hecht und Zander in ruhigeren, tieferen Kurven.
Fliegenfischen: Die klaren, kiesigen Strecken der Hernád eignen sich hervorragend zum Fliegenfischen, vor allem auf Döbel.
Wann lohnt es sich?
Am besten sind später Frühling und Frühherbst, wenn das Wasser schon – oder noch – warm genug ist, aber nicht zu stark gefallen. Im Sommer ziehen sich die Fische bei Niedrigwasser in tiefere Gumpen und unter schattige, baumbestandene Ufer zurück; dann bringen Morgen- und Abenddämmerung die meisten Bisse. Nach einem kleinen, abklingenden Hochwasser fressen Barbe und Döbel im leicht angetrübten Wasser mutiger.
Sicherheit und Regeln
Sajó und Hernád steigen schnell – nach Regen im Norden kann das Wasser binnen Stunden anschwellen, wie das große Hochwasser von 2010 gezeigt hat.
- Pegel: Prüfe vor der Abfahrt auch den Wasserstand am slowakischen Oberlauf.
- Waten: Watstock, rutschfeste Sohlen – und nie bei hohem oder trübem Wasser waten.
- Grenze: Die oberen Abschnitte liegen in der Slowakei; dort brauchst du eine eigene slowakische Erlaubnis.
- Karten: Führe die ungarische staatliche Angelkarte und eine für deinen Abschnitt gültige Gewässerkarte mit. Schonzeiten und Mindestmaße stehen in der aktuellen Gewässerordnung des Bewirtschafters.
- Laichplätze: Zertrampel im Frühjahr nicht die Kiesbänke, sie sind Laichplätze.
- Bootsverkehr: Im Sommer sind auf der Hernád viele Kanuten und Kajakfahrer unterwegs; sei geduldig mit ihnen.
- Sauberkeit: Schnur, Haken und Verpackungen nimmst du wieder mit.
Fazit
Sajó und Hernád gehören zu Ungarns spannendsten Fließgewässern: schnelles Wasser, Kies, Döbel und Barbe, auf ruhigeren Strecken Raubfische. Im Gegenzug verlangen sie Aufmerksamkeit – das Erkennen geschützter Arten, schonendes Zurücksetzen und Respekt vor plötzlichem Hochwasser. Wenn du einen Abstecher planst, lohnt sich ein Blick auf die Flussabschnitte im Komitat Borsod in der Kartensuche der Seite.
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