Der Theiß-See, ein Wasserlabyrinth für Angler
Inseln, Altarme, Schilfbuchten und Kanäle machen den Tisza-tó zu einem der vielseitigsten Angelgewässer Ungarns. So findest du dich zurecht, das kannst du fangen und darauf solltest du achten.
14. Januar 2026, 5 Min. Lesezeit

Wer zum ersten Mal an den Tisza-tó (Theiß-See) kommt, ist meist von zwei Dingen überrascht: wie groß er ist und wie wenig er einem „normalen“ See ähnelt. Statt Freiwasser findest du ein Geflecht aus Inseln, Altarmen, Kanälen und Schilfflächen, in dem dich zehn Minuten Bootsfahrt in eine völlig andere Welt bringen. Diese Vielfalt macht den Reiz aus – und genau darauf musst du dich vorbereiten.
Was genau ist der Theiß-See?
Der Tisza-tó ist ein künstlicher Stausee, der durch den Bau der Staustufe Kisköre entstand. Der Damm wurde 1973 fertiggestellt, seit 1978 wird der Speicher regelmäßig aufgestaut, den Namen Tisza-tó erhielt er 1988. Mit rund 127 Quadratkilometern gehört er zu den größten stehenden Gewässern Ungarns.
Üblicherweise teilt man ihn in vier Hauptbecken:
- Becken von Poroszló: der meistbesuchte, gut erreichbare Teil mit viel Freiwasser und Kanälen.
- Becken von Tiszavalk: das flachste, ein großer Teil steht unter strengem Naturschutz.
- Becken von Sarud: schilfreich, buchtenreich und ruhiger.
- Becken von Abádszalók: das tiefste, mit größeren Freiwasserflächen.
Der Wasserstand schwankt jahreszeitlich: Im Frühjahr wird aufgestaut, im Herbst abgelassen. Das beeinflusst das Angeln stark, denn derselbe Platz kann im Sommer und im Winter völlig anders sein.
Welche Fische leben hier?
Die Fischfauna ist reich, für Angler sind vor allem diese Arten wichtig:
- Wels: einer der beliebtesten Zielfische, im Sommer in tieferen Abschnitten und an den Mündungen der Altarme.
- Hecht: der klassische Räuber der Schilfkanten, Krautfelder und Buchten.
- Zander und Wolgazander: in tieferen Bereichen mit festerem Grund.
- Rapfen: raubt im Freiwasser und in strömenden Kanalabschnitten.
- Karpfen und Schleie: in Schilfbuchten und schlammig-krautigen Bereichen.
- Weißfische: Brassen-, Güster- und Rotaugenschwärme, oft in schöner Zahl.
Auch invasive Arten kommen vor, etwa der Giebel und der Schwarze Zwergwels. Diese dürfen nach den Regeln nicht zurückgesetzt werden – schau nach, was die aktuelle Angelordnung dazu sagt.
So findest du dich im Labyrinth zurecht
Die größte Herausforderung am Theiß-See ist die Orientierung. Ein paar Erfahrungen, die viel helfen:
- Karte und GPS mitnehmen. Inseln und Schilfflächen sehen sich sehr ähnlich, in der Dämmerung verfährt man sich leicht.
- Ausgewiesene Wasserwege beachten. In manchen Bereichen darf man nur auf festgelegten Routen fahren, anderswo ist Motorbootverkehr verboten.
- Mit Baumstümpfen und Flachstellen rechnen. Reste ehemaliger Auwälder liegen unter Wasser – gefährlich beim Fahren wie beim Angeln.
- Wetter einplanen. In den offenen Becken baut der Wind schnell Wellen auf.
- Jemandem sagen, wohin du fährst. Handyempfang gibt es nicht überall.
Kennst du die Gegend noch nicht, kannst du mit der Kartensuche die Angelplätze am Theiß-See und Gewässer in der Nähe schnell überblicken.
Vom Ufer oder vom Boot?
Auch vom Ufer lässt sich gut fangen, vor allem an Altarmen, Totarmen und Spülkanälen, wo das Wasser ruhiger ist und die Fische konzentrierter stehen. Diese Bereiche bieten den Fischen auch im Winter gute Zuflucht. Das wahre Gesicht des Sees lernst du aber vom Boot aus kennen: Nur so erreichst du die Schilfbuchten, die Durchfahrten zwischen den Inseln und die Kanten. Ohne eigenes Boot kannst du vor Ort eines mieten, kläre aber vorher immer, wo du damit fahren und angeln darfst.
Jahreszeiten und Methoden
Frühling
Beim Aufstauen überflutet das Wasser die Vegetation, die Fische ziehen ins Flache. Karpfen und Brassen fängt man gut in wärmeren Schilfbuchten. Zur Laichzeit gelten für mehrere Arten Fangverbote – achte besonders darauf.
Sommer
Hauptsaison für Wels. Wallerholz, Grundangeln und Spinnfischen funktionieren, die besten Zeiten sind früh morgens und abends. Auch der Hecht ist an den Schilfkanten aktiv.
Herbst
Das Wasser kühlt ab, die Räuber beginnen zu fressen. Spinnfischen auf Hecht und Zander ist jetzt am erfolgreichsten, der Rapfen raubt im Freiwasser.
Winter
Im abgelassenen See ziehen sich die Fische in tiefere Abschnitte, Altarme und Kanäle zurück. Für den Winter sieht die Angelordnung meist strengere Regeln vor, etwa Einschränkungen beim Nachtangeln und beim Spinnfischen in einzelnen Becken.
Regeln und Naturschutz
Seit 2025 ist der Ungarische Landesanglerverband (MOHOSZ) Bewirtschafter des Theiß-Sees, die örtliche Angelordnung veröffentlicht seine Außenstelle am See. Du brauchst eine ungarische staatliche Angelkarte und eine gültige Gewässerkarte. Mindestmaße, Fangbegrenzungen und Schonzeiten haben sich in den letzten Jahren mehrfach geändert, prüfe daher vor jeder Saison die aktuellen Regeln.
Ein großer Teil des Sees untersteht der Direktion des Nationalparks Hortobágy. Vogelschutzgebiete und streng geschützte Flächen darfst du auch mit Angelkarte nicht betreten, Brutplätze meidest du großräumig. Im See leben auch geschützte Fische, darunter der streng geschützte Zingel; fängst du einen, setze ihn sofort und schonend zurück.
Die Grundregeln am Theiß-See:
- Fische mit nassen Händen auf einer Matte behandeln;
- beim Raubfischangeln Hakenlöser und Zange dabeihaben;
- beim Campen gehört der Müll dir – nimm ihn mit;
- kein Schilf schneiden und keine neuen Angelplätze ohne Genehmigung anlegen.
Fazit
Den Theiß-See lernt man nicht in ein, zwei Tagen kennen – genau das macht ihn besonders. Wenn du dich gut auf die Orientierung vorbereitest, Schutzgebiete respektierst und die aktuelle Angelordnung befolgst, schenkt er dir vom Wels bis zum Hecht unzählige Erlebnisse. Für den ersten Besuch lohnt es sich, mit einem gut erreichbaren Becken zu beginnen und das erkundete Gebiet von dort aus zu erweitern.
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