Der Ráckevei-Duna-ág: ein Anglerparadies vor den Toren Budapests
Ein schleusengeregelter, langsam fließender, 57 Kilometer langer Donauarm direkt vor Budapest. Was dich am Ráckeve-Donauarm erwartet und worauf du achten solltest.
26. Mai 2026, 5 Min. Lesezeit

Nur wenige Hauptstädte können von sich sagen, dass wenige Kilometer hinter der Stadtgrenze ein ganzer, 57 Kilometer langer Flussarm zum Angeln einlädt – Budapest kann es. Die Stege, Schilfgürtel und stillen Buchten des Ráckevei-Duna-ág (Ráckeve-Donauarm, von vielen einfach RSD genannt) empfangen an jedem Wochenende Tausende Angler. Hier erfährst du, was dieses Gewässer besonders macht, worauf es sich zu angeln lohnt und was du beachten solltest, damit der Tag für alle gelingt.
Ein Donauarm, den Schleusen steuern
Der Ráckevei-Duna-ág – früher Soroksári-Duna genannt – zieht sich an der Ostseite der Csepel-Insel von der Kvassay-Schleuse in Budapest bis nach Tass. Vom späten 19. bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde er schrittweise an beiden Enden abgeriegelt; seitdem regeln die Schleusen an beiden Enden Wasserstand und Wasseraustausch. Daher rührt die wichtigste Eigenschaft des Gewässers: Strömung ist kaum spürbar, der Arm verhält sich eher wie ein langer, schmaler See.
Am Ufer reihen sich von Soroksár über Dunaharaszti, Szigetszentmiklós und Ráckeve bis Dömsöd und Tass Ortschaften, Ferienhäuser und Stege aneinander. Im Sommer teilen sich Angler das Wasser mit Bootsfahrern, Ruderern und Badegästen – Geduld und Rücksicht sind hier mindestens so wichtig wie gutes Gerät.
Welche Fische leben im RSD?
Laut den jüngsten wissenschaftlichen Bestandserhebungen sind Laube, Rotauge und Giebel die häufigsten Arten im Donauarm. Für Angler sind aber diese am interessantesten:
- Zander: einer der häufigsten Raubfische, entlang von Steinpackungen, Brückenpfeilern und Kanten.
- Hecht: an Schilf- und Krautbereichen, im Herbst besonders aktiv.
- Wels und Rapfen: auf tieferen Abschnitten, im Sommer auch raubend im Freiwasser.
- Karpfen und Graskarpfen: Lieblinge der Angler, aus Besatz wie aus natürlichem Bestand.
- Brassen und Güster: ganzjährig ein gutes Ziel für Feeder und Pose.
- Forellenbarsch: ein Raubfisch aus alten Besatzmaßnahmen und in Ungarn eher eine Rarität.
Auch gebietsfremde Arten gibt es reichlich, etwa Sonnenbarsch, Zwergwels, Marmor- und Silberkarpfen sowie mehrere Grundelarten. Da der Arm abgeschlossen ist, gelangen Fische aus der Donau vor allem beim Öffnen der Schleusen hinein; deshalb kann sich der Bestand von dem des Hauptstroms unterscheiden.
Methoden, die funktionieren
Karpfenangeln: Dank des langsamen Wassers funktionieren Method Feeder und Boilieangeln gut. Vom Steg aus lieber auf kürzere Distanz präzise füttern und auf Hindernisse und alte Seile unter dem Steg achten.
Zanderangeln: mit Gummifisch an Steinpackungen und Uferkanten oder mit Köderfisch ab der Dämmerung. Der Zander kann hier ausgesprochen vorsichtig sein, daher bringen feinere, kleinere Gummis oft mehr.
Brassenangeln: mit Feeder oder Stipprute an der Uferkante. Im langsamen Wasser reichen leichtere Körbe; entscheidend ist maßvolles, stetiges Füttern.
Hechtangeln: im Streifen vor dem Schilf und an den Rändern der Krautfelder mit Blinker oder Gummifisch, im Herbst auch mit Oberflächenködern. Der Forellenbarsch lauert oft im Schatten der Stege und im Schutz von Wasserpflanzen; beißt einer, behandle ihn genauso schonend wie jeden anderen Fisch.
Die Gewässerordnung: hier besonders wichtig
Der Ráckevei-Duna-ág wird einheitlich vom Ráckevei Dunaági Horgász Szövetség (RDHSZ, Anglerverband Ráckeve-Donauarm) bewirtschaftet, mit eigener Gewässerordnung und eigenem Kartensystem. Die Regeln ändern sich regelmäßig – etwa bei Sperrzonen, Badestellen, Bootsangeln, der Nutzung von Markierungsbojen oder Entnahmegrenzen. Bevor du auswirfst, lies die aktuelle Ordnung des Verbands und prüfe auch die gesperrten Bereiche.
- Führe die ungarische staatliche Angelkarte und eine gültige RDHSZ-Gewässerkarte mit.
- Prüfe die Sperrzonen, besonders an Badestellen, Schleusen und Häfen.
- Wenn du vom Boot aus angelst, informiere dich über die geltenden Bedingungen.
- Angle nicht ohne Erlaubnis von fremden Stegen – die meisten sind Privateigentum.
- Führe immer dein Fangbuch, und setze untermaßige und geschützte Fische sofort zurück.
- Hinterlasse keinen Müll; an vollen Ufern geht das alle noch mehr an.
Praktische Tipps
- Timing: An Sommerwochenenden sind früher Morgen und später Abend am besten, wenn weniger Betrieb auf dem Wasser ist.
- Anreise: Die Orte auf der Csepel-Insel erreichst du auch mit der HÉV-Vorortbahn nach Ráckeve – ein Nachmittag am Wasser geht also auch ohne Auto.
- Kraut: Flachere Bereiche verkrauten im Sommer stark. Such dann freie Stellen oder wechsle ins tiefere Wasser.
- Jahreszeiten: Im Frühjahr beißen Brassen und Karpfen zuerst in den flachen, sich schnell erwärmenden Buchten, im Herbst ist Raubfischzeit, und im Winter kann man auf den tieferen, ruhigen Abschnitten noch mit Brassen und Zander rechnen.
- Höflichkeit: Neben Stegen und Ferienhäusern sind leise Stimmen und ein ordentlicher Angelplatz die beste Visitenkarte.
Fazit
Der Ráckevei-Duna-ág bietet nahe der Hauptstadt abwechslungsreiches, ganzjährig spannendes Angeln: Karpfen, Zander, Hecht, Brassen und ab und zu eine Überraschung. Sein Geheimnis ist das langsame Wasser, der Schlüssel die Kenntnis der örtlichen Regeln und Rücksicht auf andere Wassernutzer. Wenn du einen freien Platz am Ufer suchst, schau dich in der Kartensuche der Seite um – und wo eine Buchung möglich ist, lohnt es sich, den Platz vorab zu reservieren.
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