Der Fertő: Angeln im Reich des Schilfs
Die ungarische Seite des Neusiedler Sees ist Nationalpark und Welterbe, geangelt werden darf nur an wenigen ausgewiesenen Stellen. Was dich erwartet, was du fangen kannst und welche Regeln gelten.
26. Januar 2026, 4 Min. Lesezeit

Der Fertő (Neusiedler See) ist kein See, an den man einfach mal schnell zum Angeln fährt. Ein Meer aus Schilf, flaches, trübes Wasser, Vogelstimmen und strenger Naturschutz prägen ihn, und geangelt werden darf nur in kleinen, ausgewiesenen Bereichen. Wer trotzdem herkommt, tut es nicht wegen großer Fänge, sondern wegen der besonderen Stimmung und eines Angelns mit Respekt.
Ein besonderer See an der Grenze
Der Fertő ist einer der größten abflusslosen Seen Mitteleuropas, seine Gesamtfläche beträgt rund 315 Quadratkilometer. Etwa ein Viertel davon, rund 75 Quadratkilometer, liegt in Ungarn, der Rest gehört zu Österreich, wo er als Neusiedler See bekannt ist.
Einige Eigenschaften, die das Angeln bestimmen:
- Extrem flach: Die mittlere Tiefe liegt bei etwa einem Meter, selbst die tiefsten Stellen überschreiten kaum anderthalb Meter.
- Riesiger Schilfgürtel: Der Großteil der ungarischen Seite ist mit Schilf bedeckt, offenes Wasser gibt es nur in kleineren Buchten und Kanälen.
- Salzhaltiges, trübes Wasser: Der Wind wirbelt das feine Sediment leicht auf, deshalb ist das Wasser selten klar.
- Schwankender Wasserstand: In trockenen Jahren kann der Pegel deutlich sinken, was Zugang und Verhalten der Fische beeinflusst.
Der See gehört zum Nationalpark Fertő-Hanság, die Kulturlandschaft Fertő/Neusiedler See ist seit 2001 UNESCO-Welterbe.
Wer bewirtschaftet das Gewässer, und wo darf man angeln?
Auf der ungarischen Seite wird das Angeln von der Direktion des Nationalparks Fertő-Hanság verwaltet. Nur ein kleiner Teil der ungarischen Seefläche, einige hundert Hektar, ist beangelbar, vor allem rund um die Bucht von Fertőrákos sowie einige ausgewiesene kleinere Buchten und Kanäle.
Was in der Praxis wichtig ist:
- Vom Ufer nur auf ausgewiesenen Abschnitten, typischerweise am befestigten Rand des Hafens.
- Mit dem Boot erreichst du ein größeres Gebiet, Boote mit Verbrennungsmotor sind auf dem See aber verboten, Ruderboote dürfen genutzt werden.
- Die Gewässerkarte berechtigt nicht zum Betreten streng geschützter Gebiete.
- Zelten und Campen ist an den Angelplätzen nicht erlaubt.
Die Nationalparkdirektion bewirtschaftet außerdem einen kurzen Abschnitt des nahen Hanság-Hauptkanals als Angelgewässer, wo man von naturbelassenen, schilfgesäumten Plätzen aus fischt.
Auf der österreichischen Seite gelten andere Gesetze und andere Lizenzen, die ungarische Karte ist dort nicht gültig.
Welche Fische leben im Fertő?
Der Fischbestand ist an das flache, salzhaltige Wasser angepasst:
- Weißfische: der häufigste Fang, mit Pose wie mit Feeder.
- Karpfen: ein Fisch der Schilfkanten und Buchten, schöne Exemplare sind keine Seltenheit.
- Hecht: der klassische Räuber der Schilfkante, im Flachwasser hervorragend mit Kunstködern zu befischen.
- Zander: Das trübe Wasser kommt ihm entgegen, in der Dämmerung ist er am aktivsten.
- Wels und Schleie: seltener, aber vorhanden.
- Giebel: eine invasive Art, die laut Regeln nicht zurückgesetzt werden darf.
In den letzten Jahren sind zum Schutz des Bestands mehrere Verschärfungen in Kraft getreten, etwa eine Pflicht zum Zurücksetzen bestimmter Arten und Einschränkungen beim Füttern. Prüfe immer die aktuelle Angelordnung für den Fertő.
Methoden zwischen dem Schilf
Pose und Feeder
Die Grundlage beim Angeln auf Brassen und Karpfen. Wegen des flachen Wassers reichen leichtere Montagen, fische den Streifen vor dem Schilf ab.
Spinnfischen
Auf Hecht und Zander sind flach laufende Wobbler, kleinere Gummifische und Blinker am besten. Rechne immer mit Hängern, nimm Ersatzvorfächer mit und lass niemals Schnur im Schilf zurück.
Füttern
Im flachen Wasser verschlechtern große Futtermengen die Wasserqualität, füttere am Fertő daher besonders sparsam und halte dich an die örtlichen Regeln zum Füttern.
Wann lohnt sich ein Besuch?
Im Frühjahr erwärmt sich das flache Wasser schnell, Brassen und Karpfen werden früh aktiv, doch dann ist auch Laichzeit, und mehrere Arten können geschützt sein. Im Sommer sind Morgen und Abend am besten, tagsüber stellen Hitze und Mücken den Angler auf die Probe. Viele halten den Herbst für die schönste Zeit: Das Schilf färbt sich, Hecht und Zander sind aktiver und das Wasser ist weniger trüb. Im Winter kann das Angeln durch Wetter und Eis eingeschränkt sein, und die Angelordnung kann für diese Zeit auch das nächtliche Angeln vom Boot verbieten. An windigen Tagen wird das flache Wasser schnell unruhig und noch trüber, dann such dir eine geschütztere Bucht.
Naturschutz und Anglerethik
Der Fertő ist in erster Linie ein Naturschutzgebiet, der Angler ist hier Gast. Das bedeutet ein paar einfache, aber wichtige Regeln:
- Schneide kein Schilf und lege keine neuen Angelplätze an.
- Halte Abstand zu Brutplätzen und störe die Vögel nicht.
- Behandle Fische schonend, mit nassen Händen und auf einer Matte.
- Nimm allen Müll, Schnurreste und Verpackungen mit nach Hause.
- Wenn dir ein Naturschutzproblem auffällt, melde es den Mitarbeitern des Nationalparks.
Fazit
Der Fertő ist nicht das einfachste Angelgewässer, bietet aber ein ganz besonderes Erlebnis: Schilfmeer, Vogelwelt und Ruhe. Wenn du die Regeln des Nationalparks einhältst, nur an ausgewiesenen Stellen angelst und respektvoll mit der Natur umgehst, kannst du schöne Brassen, Karpfen und Hechte fangen. In der Kartensuche findest du außerdem schnell weitere Angelgewässer rund um den Fertő und im Komitat Győr-Moson-Sopron.
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