Angeln an Altarmen: stilles Wasser, viele Geheimnisse
Altarme sind abgeschnittene Flussschleifen: ruhige, pflanzenreiche Gewässer mit vielen Fischarten. So liest du sie richtig und angelst erfolgreich und fischschonend.
19. Februar 2026, 4 Min. Lesezeit

Ein Altarm ist so etwas wie das Gedächtnis eines Flusses: einst lebendiges Flussbett, heute ein stilles, von Bäumen und Schilf gesäumtes Gewässer. In Ungarn gibt es besonders viele davon in der Tiefebene, entlang der Theiß (Tisza), der Kreisch-Flüsse (Körös) und der Donau. Wer lernt, ihr besonderes Bett und ihren Wasserhaushalt zu lesen, findet Plätze, an denen im Morgengrauen nur ein rauender Hecht die Stille bricht.
Wie entsteht ein Altarm?
Flachlandflüsse mäandrieren, und ihre Schleifen buchten sich mit der Zeit immer weiter aus. Bei Hochwasser kann das Wasser den Hals einer Schleife durchbrechen, und der alte Bogen löst sich vom Hauptbett – so entsteht ein natürlicher Altarm. In Ungarn ist ein großer Teil der Altarme jedoch durch die Flussregulierungen des 19. Jahrhunderts entstanden, als man die Flüsse mit künstlichen Durchstichen begradigte. Die Theiß wurde dabei um mehrere hundert Kilometer kürzer, und die abgeschnittenen Schleifen blieben als Altarme erhalten.
Manche Altarme sind über ein Schleusenbauwerk oder einen Kanal noch mit dem Fluss oder dem Gewässersystem verbunden, andere sind völlig isoliert. Das beeinflusst Fischbestand und Wasserqualität stark.
Das Gewässerbett
Ein Altarm bewahrt die Form der alten Flussschleife, darum ist auch sein Bett typisch:
- Der Außenbogen: Hier verlief früher der Stromstrich, deshalb ist dies meist die tiefere Seite, oft mit steilerem Ufer. Im Sommer und Winter stehen die Fische gern hier.
- Der Innenbogen: eine allmählich flacher werdende, oft krautige Zone. Im Frühjahr, bei Erwärmung und zur Laichzeit wird es hier lebendig.
- Die beiden Enden: meist flacher und stärker verschlammt; mündet hier aber ein Kanal oder eine Schleuse, kann der Wasseraustausch sie zu Top-Plätzen machen.
- Umgestürzte Bäume, Wurzeln, Schilfkanten: ausgezeichnete Unterstände für Räuber und Karpfen gleichermaßen.
Da in Altarme keine geschiebeführende Strömung mehr gelangt, verlanden sie allmählich, wachsen zu und werden immer nährstoffreicher. Diese Alterung ist ein natürlicher Prozess, kann sich in Dürrejahren aber beschleunigen und zu Sauerstoffmangel bis hin zu Fischsterben führen.
Mit welchen Fischen kannst du rechnen?
Der Fischbestand der Altarme ist vielfältig. Häufig sind Karpfen, Karausche, Schleie, Brachse und Rotfeder, bei den Räubern Hecht, Zander, Wels und Barsch. In Altarme mit Flussanbindung gelangen zeitweise auch Flussfische.
Altarme sind zudem wichtige Lebensräume seltener heimischer Arten. Hier können etwa der streng geschützte Europäische Hundsfisch oder der geschützte Schlammpeitzger vorkommen. Erkennst du einen kleinen Fisch nicht, behandle ihn vorsichtig und setz ihn zurück – geschützte Arten zu entnehmen ist streng verboten.
Methoden, die funktionieren
- Posenangeln an der Krautkante: die klassische Methode auf Schleie und Karausche, besonders im Morgengrauen.
- Grundangeln, Feeder: am tieferen Außenbogen auf Karpfen und Brachse. Wegen des schlammigen Grundes lohnen sich auch hier auftreibende oder ausbalancierte Köder.
- Spinnfischen: Der Hecht ist der König des Altarms. Versuch es vor Schilfkanten, an Krautfeldrändern und um umgestürzte Bäume, auch mit krautfreien Ködern.
- Angeln vom Boot: Wo erlaubt, hilft es sehr, weil die Ufer oft schwer zugänglich sind. Prüfe immer, wo und welche Boote zulässig sind.
Am Altarm zählt Ruhe. Auf schmalem Wasser verscheuchen Lärm am Ufer, Kopflampenlicht und harte Würfe die Fische schnell.
Auch die Jahreszeiten prägen den Altarm stark. Im Frühjahr erwärmen sich die flachen, sonnigen Buchten und der Innenbogen zuerst, im Sommer bringen Morgen- und Abenddämmerung die meisten Bisse, und bei Hitze lohnt die Suche nach tieferen, schattigen Abschnitten oder dem Bereich um eine frisches Wasser bringende Schleuse. Im Herbst sind die Räuber aktiver – die schönste Zeit fürs Hechtangeln.
Regeln und Naturschutz
Viele Altarme stehen unter Naturschutz oder gehören zu einem Natura-2000-Gebiet, und viele werden von Angelvereinen bewirtschaftet. Daher gilt oft eine eigene Gewässerordnung, die Bootsnutzung, Nachtangeln oder den Zugang zu bestimmten Abschnitten einschränken kann. In Ungarn brauchst du die staatliche Angelkarte und das Fangbuch und zusätzlich die Gewässerkarte; anderswo gelten die jeweiligen nationalen Regeln. Mindestmaße und Schonzeiten prüfst du immer in der aktuellen Ordnung des Bewirtschafters.
Schonender Umgang mit dem Fisch ist auch hier Pflicht: nasse Hände, Abhakmatte, schnelles Zurücksetzen. Lass keinen Müll zurück und zertrample die Ufervegetation nicht unnötig, denn viele Altarmufer sind Brutplätze.
Kurze Checkliste
- Kläre, ob der Altarm mit dem Fluss verbunden ist.
- Such den tieferen Außenbogen und die Unterstände.
- Pass die Methode an Jahreszeit und Pflanzenwuchs an.
- Prüfe Gewässerordnung und Schutzgebietsregeln.
- Nimm deinen Müll mit nach Hause.
Fazit
Ein Altarm ist ein stilles, aber kein einfaches Gewässer: Er birgt ein altes Flussbett, üppige Vegetation und viele Fischarten. Wer die Form der Schleife versteht, auf Wasseraustausch und Pflanzen achtet und die Regeln einhält, kann hier unvergessliche Fänge machen. Mit unserer Kartensuche findest du die Altarme in deiner Nähe ganz leicht.
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